Meine "Unternehmerkarriere"

Als Kind züchtete ich "Goldfadenfische" zunächst aus biologischem Interesse, sodann zur Aufbesserung meiner "Finanzen". Fadenfische vermehren sich in Abwesenheit von Fressfeinden enorm. Der Verkaufspreis ist vom Wachstumsfortschritt abhängig, verdoppelt sich nahezu von Woche zu Woche. Mit dem Wachstum Hunderter, sogar Tausender Jungfische gehen allerdings Risiken einher, denn es wird fortlaufend schwieriger, hinreichend gute Wasserqualität in den Zuchtaquarien zu gewährleisten - und die Massenhaltung erhöht das Risiko von Epedimien dramatisch. 
So wurde die Zucht zum "Zockerspiel", ob rechtzeitig zum Verkauf an Zoohändler und auf Fischbörsen ging oder aber in Hoffnung auf noch höheren Gewinn zu langes Abwarten mitunter den gesamten Nachwuchs riskierte. - Im Hinblick auf ethische Belange war es ekelhaft und rücksichtslos gegenüber den Tieren, aber es wurde damals kaum hinterfragt, weil "erfolgreich". - Das war mir kein Weg. Also änderte ich es und arbeitete lieber zweigleisig, zwar weiterhin die Zucht komplizierterer Fischarten, aber sehr gern auch "abhängig beschäftigt" ganzjährig stundenweise bei zwei Zoohandlungen, in den Schulferien in einem Aluminiumbetrieb, ...

Stets durch "eigene Projekte" abgelenkt war für viele Schulfächer wenig, zudem aufmüpfig gegen solche Lehrern, bei denen meine Mitschüler kuschten. Das wurde mit Tadeln quittiert, deren Häufigkeit alle Rekorde der Schule brach. Um dem Schulverweis zu entgegen, kam ich für ein knappes Jahr auf ein Internat. Es war ein bisschen wie "Knast", jedenfalls langweilig. Darum vertrieb ich mir die Zeit mit Nachhilfeunterricht, den ich in allen Fächern erteilte und mir dafür die "hoffnungslosesten Fälle" (=Kinder) aussuchte. 
Das machte Spaß, denn etwas "Sonderpädagogik" musste schon einfallen, um die Kids in einen Lernrausch zu versetzen. Und auch ich wurde in allen Fächern zum guten Schüler, so dass mich der Schulleiter behalten wollte, obgleich mir das Internat "wegen zu langer Haare" gekündigt hatte.
Aber das Hauptmotiv war wirtschaftlicher Art, denn mein Tarif für eine Dreiviertelstunde Nachhilfe war mit 7,50 DM für damalige Verhältnisse nicht grad wenig. Für Dikatate, Vokabeltests usw. ließen sich locker mehr als fünf Nachhilfeschüler in eine gemeinsame Veranstaltung packen. Das "optimierte" den Stundenlohn. Hätten sich Eltern beschwert, hätte ich auf die Hälfte verzichtet, aber die Kids hatten eine positive Leistungskurve - und Eltern von Internatskindern brauchen gewöhnlich auch nicht so sehr aufs Geld zu schauen.
 
Meine tägliche "Buchführung" war wie Lottogewinn ohne Lotto, immerhin auf Leistung beruhend. Und sinnvoll für alle Beteiligten. Am Ende hatte mir der Internatsaufenthalt mehr Geld gebracht, als ich ihn meine Eltern kosten ließ. Auf der letzten Schule wollte ich das fortsetzen, aber es gab andere Verdienstmöglichkeiten, z.B. 10 DM pro Stunde auf die Hand im örtlichen Großschlachthof, war irgendwie eine Art Leistungssport, allerdings bedenklich. Die Bedenken überwogen nach 12 Monaten? Ich weiß es nicht mehr, denn meine Jobs überschnitten sich, z.B.
die zwei besten Nächte der Woche als Discotheker, dauerhaft "Essen-auf-Rädern" und Fahrdienstbereitschaft für die Johanniter-Unfallhilfe, um kein eigenes Auto zu brauchen.
Und Auslieferungfahrer für ein Bürogeschäft. Was ich dort verdiente, gab ich allerdings auch dort aus, z.B. gebrauchte Druckmaschinen für Flugblätter, einen ziemlich großen Safe. Und den normalen Angestellten erläuterte ich, dass ich nach und nach den gesamten Betrieb aufkaufen werde. Das freute den Chef. Er kam mir preislich zwar oft entgegen, behielt den Betrieb aber trotzdem.
Mein System schien nicht perfekt.

Später während des Studiums erneut in Discothek gearbeitet, auch als Nachtwächter in einem Großbüro, dann für einen Maschinenhändler, von dem ich sehr vieles lernte und der meinen Wunsch nach Nebenher-Selbständigkeit unterstützte, so dass auch ich heftig handelte: "Kauf dir was Großes!, so lautete der Slogan, 100 Prozent Handelsspanne war das Konzept, setzte also günstigsten Einkauf voraus. Trotzdem war auch das auf Dauer zu langweilig - und der gesellschaftsrechtliche Hintergrund zu blöde, so dass ich mit gutem Plus aus dem ...

 

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